Die Idee des Beschwerdechors

Das multikulturelle "Ensemble de plainte", hervorgegangen aus dem Kölner Beschwerdechor, vertont Beschwerden in einem Dutzend Sprachen und Musikstilen am

15. Juni 2011, 20:00 Uhr im Theater Katakomben, Girardetstraße 2-38, Essen

16. Juni, 20:30 Uhr im Loft, Wissmannstraße 23, Köln

17. Juni, 20:30 Uhr in der Jazzschmiede, Himmelgeister Str. 107, Düsseldorf.

Im Repertoire des Ensemble de Plainte treffen Rhythmen der Pygmäen auf orientalische Skalen, Bach begegnet der Minimal Music und Zappa den Klängen irakischer Instrumente; Themen russischer Filmmusik verbinden sich mit  anatolischen Klängen und Melodien aus dem  Frankreich des 16. Jahrhunderts mit indischer Rhythmik. In seinem neuen Programm "miles after miles" setzt sich das Ensemble auf unterschiedliche Weise mit der Musik von Miles Davis auseinander. "circle in the round" trifft auf Kompositionen, die sich auf seine Stücke beziehen. Klänge orientalischer und europäischer Instrumente finden zusammen "in a silent way".

Das Ensemble de Plainte ist hervorgegangen aus dem Kölner Beschwerdechor, der die Beschwerden von Bürgerinnen und Bürger sammelt - über den Alltag, die  Gesellschaft oder die Politik - und sie musikalisch inszeniert und vorträgt. Der Beschwerdechor vereinte so  unterschiedliche Herkunftskulturen, dass seine Leiter und Komponisten Wilfried Kaets und Dietmar Bonnen seine Beschwerden in ein knappes Dutzend Sprachen fassen konnten. Eine irakische Lamentatio ist ebenso Teil seiner Komposition wie türkische Einsprüche.

Eines der schönsten Ergebnisse des Projekts ist, dass sich das instrumentale multi-ethnische Begleitorchester zu einem Ensemble de Plainte verselbständigte und nun ein furioses Eigenleben führt.

Alexei Aigui: Violine                                                                    .

Bassem Hawar: Djoze                                                                .

Erdal Aslan: Saz, Baglama                                                          .

Gagga Deistler: E-Gitarre                                                           .

Lothar Burghaus: Bassklarinette, Baritonsaxophon                   .

Michael Pape: Schlagzeug                                                          .

Roman Fuchß: E-Bass                                                                 .

Saad Thamir: Perkussion                                                            .

Dietmar Bonnen: Leitung, Klavier, Casio          

 

Der Kölner Beschwerdechor ist ein Projekt der kulturellen Partizipiation. Er spricht Bürgerinnen und Bürger an, die sich über Alltag, Gesellschaft oder Politik beschweren und die mit anderen zusammen ihre Beschwerden singend vortragen möchten. Sie und andere Bürger haben ihre Beschwerden auf dieser Website eingegeben.

Die Beschwerden addieren sich zu einer heterogenen Textvorlage, die naturgemäß Stringenz vermissen lässt, gleichwohl aber ein wundervolles Libretto abgibt. Der Vertonung ist damit eine Steilvorlage gegeben, die nicht nur einen einfallsreichen, sondern auch einen klar strukturierenden Komponisten fordert. Heraus kommt ein musikalisches Gesellschaftstück im besten Sinne des Wortes, ein Bühnenwerk, das die musikalische Vielfalt Nordrhein-Westfalens munter und durchaus extrovertiert bündelt.

Die Beschwerden ergehen aus den Blickwinkeln von Individuen, manchmal von Gruppen, manchmal vielleicht sogar von größeren Teilen der Gesellschaft, selten aber können sie ein objektives Gesamtinteresse beanspruchen. Sie sind Teilmengen des beständigen Interessenausgleichs in der Bundesrepublik. Über ihre Berechtigung ist dadurch, dass sie gesungen werden, nichts gesagt und über ihre Chance auf Abhilfe auch nicht.

Zwar hat sich auch ein Kölner Oberbürgermeister im Historischen Rathaus eines der Beschwerdewerke vom Chor vorsingen lassen, doch eine kommunalpolitisch konkret feststellbare Folge hat dies nicht gehabt. Woran wohl auch kaum einer ersthaft geglaubt hatte. Das Medieninteresse an den ersten Auftritten des Beschwerdechors überstieg das sonstige Medieninteresse an Chorkonzerten beträchtlich, womit die Sängerinnen und Sänger auch ein größeres Stück Öffentlichkeit für ihre Beschwerden verbuchen konnten, aber auch diese Präsenz kann keine Verbesserung garantieren.

Wer immer aber diese muntere Gruppe mit ihren verschiedenen Vorbildungen und Herkünften, ihrer Themenvielfalt und ihrem Altersspektrum von über sechzig Jahren auf der Bühne erlebt hat, hat eine Ahnung davon, wie sehr das gemeinsame Artikulation von Ärger und Sorge zusammenschweißen und beflügeln kann, beflügeln zum gemeinsamen kulturellen Tun.

Der Beschwerdechor vereint so unterschiedliche Herkunftskulturen, dass Komponist Wilfried Kaets seine Beschwerden in ein knappes Dutzend Sprachen fassen kann. Eine irakische Lamentatio ist ebenso Teil seiner Komposition wie türkische Einsprüche. Eines der schönsten Ergebnisse des Projekts ist es auch, dass sich das instrumentale, multi-ethnische Begleitorchester zu einem "Ensemble de pleints" verselbständigte.

Robert v. Zahn

Das Projekt von Landesmusikrat NRW und KölnMusik wurde vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW gefördert. Die Organisation lag bei Hedwig Otten, die Projektleitung bei Robert v. Zahn, die künstlerische Leitung und die Komposition in den Händen von Wilfried Kaets und Dietmar Bonnen.