Konzerte im Rückblick

 

14. November 2010: Auftritt in der Comedia

Am 14. November 2010 präsentierte der Kölner Beschwerdechor seine Arbeit der Saison in der Comedia Köln. Chorleiter und Komponist Wilfried Kaets hatte diesmal 722 Beschwerden zusammengestellt und zu einem 80-minütigen Werk vertont.

Noch mehr als in den Vorjahren ist die Kulmination der Klagen zu einem Gesamtkunstwerk geworden. Die 52 Sängerinnen und Sänger sangen und tanzten in broadwayhaften Choreographien, schwenkten Transparente und liefen telefonierend durch den Roten Saal der Comedia.

Das Instrumental-Ensemble ging über seine Begleitungsaufgabe hinaus, indem es seinerseits Beschwerden formulierte und szenisch mit Sängern agierte. Bassem Hawar an der Kniegeige Djoze, Saad Thamir an Perkussionsinstrumenten und singend, Roman Fuchß am E-Bass, Michael Pape am Schlagzeug und Gert Kapo am Flügel boten zusammen mit dem Chor mitreißende Wechselbäder zwischen Lamentatio, Burleske, Jazz und Orffschem Titanentum.

Auch das Publikum im nahezu vollbesetzten Roten Saal der Comedia war gefordert und sang willig einige Beschwerden mit. Die Komposition bestand aus Teilen der Werke von 2008 und 2009 sowie etlichen neu komponierten Beschwerden – immerhin hatte die Website www.beschwerdechor.de seit März 2008 ununterbrochen weiter gesammelt. Spitzenreiter der Beschwerdethemen war und blieb seit Beginn des Projekts der öffentliche Nahverkehr. Aber auch das Zwischenmenschliche im privaten Raum nimmt einen großen Stellenwert im Beschwerdekosmos der Rheinländer ein.

Die Organisation des Projekts lag in den Händen von Hedwig Otten, für die Projektionen der Texte sorgte Raphael Kaets. Getragen wurde der Beschwerdechor 2010 vom Landesmusikrat NRW in Verbindung mit der KölnMusik, gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW.

 

20. September 2009: Musiknacht in der Kölner Philharmonie

„Was zum Glücke uns fehlt“ war das Motto des diesjährigen Projekts des Beschwerdechors. Etwa einhundert Sängerinnen und Sänger boten in der Philharmonie im Rahmen der Kölner Musiknacht ihr neues Werk, das viele Dutzende von Beschwerden vertont. Arbeitslosigkeit, Raucher, das Schulwesen und Bedienungsanleitungen waren nur einige der Themen, die mit großer Lust am Singen angegangen wurden.

Wilfried Kaets und Dietmar Bonnen haben das Werk komponiert und den Chor einstudiert, Dietmar Bonnen leitete die Aufführung. Den Choristen zur Seite stand ein achtköpfiges Instrumental-Ensemble, das „ensemble de plainte“, das Musiker aus fünf Nationen vereinigt: Alexej Ajgi (Violine), Bassem Hawar (Djoze), Erdal Aslan (Saz, Baglama, Gesang), Gagga Deistler (Gitarre), Lothar Burghaus (Bassklarinette, Baritonsaxophon), Michael Pape (Schlagzeug), Roman Fuchß (E-Bass) und Saad Thamir (Gesang, Perkussion).  Erdal Aslan und Saad Thamir brachten auch selbst Beschwerden in die Aufführung ein.

Ein besonders beeindruckender Teil des Werks übernimmt arabische Stilistika bei der Vertonung einer Beschwerde über die Automatik der Gesellschaft, die Ohnmacht nach einem Amoklauf in der Schule in die Vergrößerung der Verantwortung bei den Lehrern zu ventilieren (Erdal Aslan). Den Stilübernahmen folgte ein italienisch geprägtes Solo, das Lino Falbe aus dem Chor bravourös vortrug, worauf die arabische und italienische Partie eng geführt würden und der Chor mit Einwürfen kommentiert.

Wenn auch klamaukhafte Beschwerden nicht fehlten, war der Chor insgesamt ernsthafter als 2008 und verzichtete auf Mitmach-Aufforderungen ans Publikum. Das „ensemble de plainte“ trieb ihn oft mit harten Rhythmen voran und ließ keine kölsche Harmonieseligkeit zu. Ein gelungener Auftritt, dem lange applaudiert wurde.

Das Projekt von Landesmusikrat NRW und KölnMusik wurde vom Ministerpräsidenten des Landes NRW gefördert. Die Organisation lag bei Hedwig Otten. 

26. September 2008: Unortkataster - Drei Openair-Auftritte der Sänger

Die Kunsthochschule für Medien in Köln erarbeitete ein Internet-gestütztes „Unortkataster“, in dem Bürger die hässlichsten Orte ihrer Stadt markieren und kommentieren können:  www.unortkataster.de  

Das Unortkataster entstand aus einem Leitbild-Prozess: Angeführt von Oberbürgermeister Fritz Schramma erarbeiten Rat und Bürgerschaft ein Leitbild, auf das hin Köln sich in den kommenden Jahren entwickeln möchte.

Landesmusikrat NRW und KölnMusik GmbH gingen mit der Kunsthochschule eine Kooperation ein. Der von ihnen getragene Beschwerdechor zog am 26. September 2008 durch Köln und gab Aufführungen am Chargesheimer Platz in einer Untertunnelung neben dem Hauptbahnhof, am Hanns-Hartmann-Platz und im Joseph-Haubrich-Hof. Begleitet von Schlagzeug und Piano intonierten die Choristen das Beschwerdewerk von Wilfried Kaets, welches Klagen über Politik, Gesellschaft und Alltag in der Großstadt intoniert. Kleine Einlagen gaben die Sängerinnen und Sänger zwischendurch mit Gitarrenbegleitung in der U-Bahn auf der Fahrt von Unort zu Unort. Ein Team des ZDF-Heutejournals folgte ihren musikalischen Taten.

Stephan Göllner von der Kunsthochschule, Projektleiter des Unortkatasters, freute sich über die vokale Unterstützung für sein Unortkataster, das von der Europäischen Kommision finanziert wird. „Das, was wir als Eingaben sammeln und virtuell zusammenstellen, wird hier belebt und zum Aufführungserlebnis.“

Die drei Veranstalter danken allen Sängerinnen und Sängern sehr herzlich für ihr großes Engagement und die klangvollen Ergebnisse.

 

20. September 2008: Uraufführung in der Kölner Philharmonie

Der Beschwerdechor bot am 20. September in der Kölner Philharmonie die vollständige Uraufführung seines Beschwerdewerks. Der Projektchor von Landesmusikrat NRW und KölnMusik GmbH lockte gut 1200 Besucher in die Philharmonie und brachte nicht wenige an manchen Stellen des Werks zum Mitsingen. Die Uraufführung war Teil der 4. Kölner Musiknacht, in der Musik an 25 Orten Kölns bis in die Nacht erklang.

Gegenüber der Aufführung im Kölner Rathaus vom 12. September erlebten die Chorfreunde jetzt auch choreographierte Szenen. So artikulierten die Sängerinnen und Sänger ihren Unmut über die ausufernden Unsitten der Mobiltelefonate im öffentlichen Raum durch einen Werkteil, in welchem Telefone im Chor klingen, die Choristen in der Aufführung zu telefonieren beginnen und während ihrer Gespräche den gesamten Raum der Philharmonie durchwandern.

700 Beschwerden über Politik, Gesellschaft und Kölner Alltag waren im Vorfeld eingegangen und ein großer Teil davon fand sich in der einen oder anderen Form im Libretto wieder. Stadtplanung, politische Realitätsferne, Kölner Verkehrsbetriebe, Verwahrlosung, Verteuerung und Kommunikationsirrsinn waren die Themen, die die Beschwerdeführer am meisten beschäftigt hatten. Und in Rap-Einlagen wurden manche davon in suggestivem Zorn vorgetragen, während sich anderes in rheinische Munterkeit ergoss.

Für die furiose Instrumentalbegleitung sorgte das Quatuor attaque, Mourik Jan Heupink, Robert Weirauch, Carsten Langer und Norbert Krämer an zwei Schlagzeugen und zwei Klavieren. Es dirigierte Wilfried Kaets.

 

 

12. September 2008: Premiere im Historischen Rathaus Köln.

 

Oberbürgermeister Fritz Schramma eröffnete die klingende Darbietung von 200 Bürgerbeschwerden, die der Komponist Wilfried Kaets vertont hat. Fritz Schramma: „Ich will versuchen, alle Beschwerden, die mich betreffen, zu beantworten. Doch auf Beschwerden, die gesungen werden, kann ich eigentlich keinen Brief als Antwort schreiben. Ich denke noch darüber nach, wie ich das tue.“

Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie, betonte in seinem Grußwort, dass es der KölnMusik um mehr geht, als nur einen Konzertbetrieb in der Philharmonie zu bieten. Mehr und mehr geht sie aus dem Amphitheater heraus und bereichert Kölner Stadtteile zum Beispiel um Babykonzerte. Peter Tonger, Vizepräsident des Landesmusikrats NRW, freute sich, dass das gemeinsame Projekt, das nicht nur die Meinungen von Bürgern kulturell artikulieren, sondern auch für das Singen werben soll, so gut angenommen worden ist.

Einhundert Sängerinnen und Sängern trugen dann, unter der Leitung von Wilfried Kaets und begleitet vom Quatuor attaque an zwei Klavieren und zwei Schlagzeugen, im Hansa-Saal des Historischen Rathauses das Beschwerdewerk vor. Die Musik chargiert zwischen Jazz, klassischem Chorsatz und Rap, bringt Zitate aus rheinischem Liedgut und einem recht bekannten Werk von Carl Orff, enthält Soli und szenische Vokalensemble-Einlagen sowie einen Kanon, den das Publikum mitsingen soll. Was dieses im Rathaus auch bereitwillig tat.

Im vollbesetzten Hansa-Saal hatte nicht jeder freie Sicht auf Chor und Quartett, denn sechs Kamerateams berichteten für ZDF, 3Sat, Phoenix, WDR und regionale Sender. Unmut gab es darüber nicht, das allgemeine Interesse schien alle zu freuen. Nach der Aufführung gratulierte Fritz Schramma den Sängerinnen und Sängern und bekannte, dass er und andere im Publikum an der Mitsingstelle noch arbeiten müssten.

Aufgeführt wurde nur ein Teil des Beschwerdewerks. In den vergangenen Monaten gedieh es von Probe zu Probe im direkten Kontakt zu den Sängern, von denen etliche keinerlei Chorerfahrung hatten, immer weiter. Das vollständige Werk wird am 20. September, 21.00 h, in der Kölner Philharmonie im Rahmen der 4. Kölner Musiknacht aufgeführt.

Robert v. Zahn