Konzerte im Rückblick

 

12. September 2008: Premiere im Historischen Rathaus Köln.

 

Oberbürgermeister Fritz Schramma eröffnete die klingende Darbietung von 200 Bürgerbeschwerden, die der Komponist Wilfried Kaets vertont hat. Fritz Schramma: „Ich will versuchen, alle Beschwerden, die mich betreffen, zu beantworten. Doch auf Beschwerden, die gesungen werden, kann ich eigentlich keinen Brief als Antwort schreiben. Ich denke noch darüber nach, wie ich das tue.“

Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie, betonte in seinem Grußwort, dass es der KölnMusik um mehr geht, als nur einen Konzertbetrieb in der Philharmonie zu bieten. Mehr und mehr geht sie aus dem Amphitheater heraus und bereichert Kölner Stadtteile zum Beispiel um Babykonzerte. Peter Tonger, Vizepräsident des Landesmusikrats NRW, freute sich, dass das gemeinsame Projekt, das nicht nur die Meinungen von Bürgern kulturell artikulieren, sondern auch für das Singen werben soll, so gut angenommen worden ist.

Einhundert Sängerinnen und Sängern trugen dann, unter der Leitung von Wilfried Kaets und begleitet vom Quatuor attaque an zwei Klavieren und zwei Schlagzeugen, im Hansa-Saal des Historischen Rathauses das Beschwerdewerk vor. Die Musik chargiert zwischen Jazz, klassischem Chorsatz und Rap, bringt Zitate aus rheinischem Liedgut und einem recht bekannten Werk von Carl Orff, enthält Soli und szenische Vokalensemble-Einlagen sowie einen Kanon, den das Publikum mitsingen soll. Was dieses im Rathaus auch bereitwillig tat.

Im vollbesetzten Hansa-Saal hatte nicht jeder freie Sicht auf Chor und Quartett, denn sechs Kamerateams berichteten für ZDF, 3Sat, Phoenix, WDR und regionale Sender. Unmut gab es darüber nicht, das allgemeine Interesse schien alle zu freuen. Nach der Aufführung gratulierte Fritz Schramma den Sängerinnen und Sängern und bekannte, dass er und andere im Publikum an der Mitsingstelle noch arbeiten müssten.

Aufgeführt wurde nur ein Teil des Beschwerdewerks. In den vergangenen Monaten gedieh es von Probe zu Probe im direkten Kontakt zu den Sängern, von denen etliche keinerlei Chorerfahrung hatten, immer weiter. Das vollständige Werk wird am 20. September, 21.00 h, in der Kölner Philharmonie im Rahmen der 4. Kölner Musiknacht aufgeführt. Der Beschwerdechor ist ein Förderprojekt des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen.

 

20. September 2008: Uraufführung in der Kölner Philharmonie

Der Beschwerdechor bot am 20. September in der Kölner Philharmonie die vollständige Uraufführung seines Beschwerdewerks. Der Projektchor von Landesmusikrat NRW und KölnMusik GmbH lockte gut 1200 Besucher in die Philharmonie und brachte nicht wenige an manchen Stellen des Werks zum Mitsingen. Die Uraufführung war Teil der 4. Kölner Musiknacht, in der Musik an 25 Orten Kölns bis in die Nacht erklang.

Gegenüber der Aufführung im Kölner Rathaus vom 12. September erlebten die Chorfreunde jetzt auch choreographierte Szenen. So artikulierten die Sängerinnen und Sänger ihren Unmut über die ausufernden Unsitten der Mobiltelefonate im öffentlichen Raum durch einen Werkteil, in welchem Telefone im Chor klingen, die Choristen in der Aufführung zu telefonieren beginnen und während ihrer Gespräche den gesamten Raum der Philharmonie durchwandern.

700 Beschwerden über Politik, Gesellschaft und Kölner Alltag waren im Vorfeld eingegangen und ein großer Teil davon fand sich in der einen oder anderen Form im Libretto wieder. Stadtplanung, politische Realitätsferne, Kölner Verkehrsbetriebe, Verwahrlosung, Verteuerung und Kommunikationsirrsinn waren die Themen, die die Beschwerdeführer am meisten beschäftigt hatten. Und in Rap-Einlagen wurden manche davon in suggestivem Zorn vorgetragen, während sich anderes in rheinische Munterkeit ergoss.

Für die furiose Instrumentalbegleitung sorgte das Quatuor attaque, Mourik Jan Heupink, Robert Weirauch, Carsten Langer und Norbert Krämer an zwei Schlagzeugen und zwei Klavieren. Es dirigierte Wilfried Kaets.

 

26. September 2008: Unortkataster - Drei Openair-Auftritte der Sänger

Die Kunsthochschule für Medien in Köln erarbeitete ein Internet-gestütztes „Unortkataster“, in dem Bürger die hässlichsten Orte ihrer Stadt markieren und kommentieren können:  www.unortkataster.de  

Das Unortkataster entstand aus einem Leitbild-Prozess: Angeführt von Oberbürgermeister Fritz Schramma erarbeiten Rat und Bürgerschaft ein Leitbild, auf das hin Köln sich in den kommenden Jahren entwickeln möchte.

Landesmusikrat NRW und KölnMusik GmbH gingen mit der Kunsthochschule eine Kooperation ein. Der von ihnen getragene Beschwerdechor zog am 26. September 2008 durch Köln und gab Aufführungen am Chargesheimer Platz in einer Untertunnelung neben dem Hauptbahnhof, am Hanns-Hartmann-Platz und im Joseph-Haubrich-Hof. Begleitet von Schlagzeug und Piano intonierten die Choristen das Beschwerdewerk von Wilfried Kaets, welches Klagen über Politik, Gesellschaft und Alltag in der Großstadt intoniert. Kleine Einlagen gaben die Sängerinnen und Sänger zwischendurch mit Gitarrenbegleitung in der U-Bahn auf der Fahrt von Unort zu Unort. Ein Team des ZDF-Heutejournals folgte ihren musikalischen Taten.

Stephan Göllner von der Kunsthochschule, Projektleiter des Unortkatasters, freute sich über die vokale Unterstützung für sein Unortkataster, das von der Europäischen Kommision finanziert wird. „Das, was wir als Eingaben sammeln und virtuell zusammenstellen, wird hier belebt und zum Aufführungserlebnis.“

Die drei Veranstalter danken allen Sängerinnen und Sängern sehr herzlich für ihr großes Engagement und die klangvollen Ergebnisse.